Eine Stadt mit großer
Automobilindustrie, zu Zeiten vor und nach den Kriegen des 20.
Jahrhunderts. August Horch initiierte diese Tradition, prägte die
Stadt bis heute. Früher wurden die Horch-Mobile in Zwickau
zusammengeschraubt, heute werden die Volkswagen in seinem Werk am
Fließband produziert. So hat ich die Automobilbranche
weiterentwickelt, so aber auch die Stadt an sich.
Zwickau ist die viertgrößte Stadt Sachsens, zwischen dem Westerzgebirge und dem Vogtland im Erzgebirgsbecken gelegen. Durchaus reiz volle Lage. Finden auch die knapp 90000 Einwohner.
Das August-Horch-Museum ist unser
erstes Ziel. Es wird eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Warum? Das
werdet ihr gleich merken.
Es befindet sich im ehemaligen
Audi-Werk an alter Traditionsstätte, wurde 2004 umfangreich saniert.
So, das es heute, 10 Jahre nach Wiedereröffnung, noch immer in einem
neuen und modernen Glanz erstrahlt. So wirkt es auch nach außen.
Hell, lichtdurchflutet und freundlich.
Schnell den Eintritt entrichtet und los
geht es. Zwickauer Geschichte beginnt, Deutsche Automobilgeschichte
beginnt, von der Pieke auf, im Fokus dabei immer das Zwickauer
Geschehen um August Horch. Und die ist lang.
Das beginnt mit der Gründung der Motorenwerke August Horchs im Jahre 1904. Der lange Weg dahin wird auf anschaulichste Weisen dargestellt. Auf Schautafeln können Daten, Fakten und Informationen nachgelesen werden. Ganze Motorblöcke, der Chrom ist blank poliert, aus diesen Anfangszeiten sind zu sehen. Ohne elektrischen Schnickschnack. Mechanische und technische Funktionalität sind die wichtigsten Merkmale. Doch die fallen nicht als erstes ins Auge. Es sind die Oldtimer, die Horch-Modelle, die sofort alle Blicke auf sich ziehen. Majestätisch, Elegant. Ein Luxusliner für damalige Zeiten. Der Älteste, ein Grünfarbener mit schwarzem Stoffdach, ist 1904 gebaut wurden. Ein Auto von unglaublichem Wert und genauso unglaublicher Ausstrahlung. Er hat nichts davon verloren. Das fasziniert, das beeindruckt. Insgesamt sind über 70 Exponate aus vergangenen Zeiten. Die Standardtankstelle aus den 30er Jahren ist originalgetreu nachgestellt. Im Bahnhofsgebäude kann man nach Drücken eines Knopfes die Stimme des Tankstellenwärters mit Jazzmusik aus jenen Zeiten hören. Sehr cool. Man fühlt sich zeitversetzt. Genauso geht es weiter. Von einem Aufseher kann man sich das Arbeitsbüro von August Horch zeigen lassen. Irre, das Originale. Holzvertäfelte Wände, ein klobiger Sekretär, eine Schreibmaschine. Ja sogar das riesige Buchführungsregister liegt noch auf dem feinsäuberlichen Schreibtisch. Wie aufwendig das damals war, jede Position musste darin handschriftlich genauestens vermerkt werden. Wir haben es heute dank Computer etwas einfacher. Wir staunen Bauklötze.
Im nächsten Raum wird es nicht anders.
Eine Werkstatt zu Horchs Zeiten. Korckboden, Schraubstöcke, diverse
Werkzeuge, gedämpftes Licht. Man kann die harte körperliche Arbeit
förmlich spüren und riechen. Laut Aussage des Museumsmitarbeiter
ist alles authentisch in dem Raum. Das heisst, er wurde nur von der
Audi-Fabrik hierher versetzt.. Der Korckboden soll sogar aus früheren
Zeiten stammen. Ebenso die Waschanlagen, also Waschbecken und
Duschen. Grandios, wirklich. Wieder staunen wir.
Immer wieder bleiben wir stehen, lesen
uns die Schautafeln durch, schauen Kurzfilme auf Multimediaplayern,
erfahren Unmengen über Horch und die Automobilindustrie. Das setzt
sich fort.
Ein circa zehnminütiger Film gibt
einen Überblick über die Entwicklung des Standortes Zwickau. Das
Werk ist im Verlauf der Jahrzehnte stetig gewachsen und gewachsen.
Hochinteressant, auch wen neben uns ein Herr vor sich hin schnarcht.
Die Horch-Mobile war Premiumfahrzeuge,
für die Oberklasse konzipiert. Kein Wunder bei diesem Glanz. Vor
einem Broadway-Theater der 39er Jahre steht so einer, in passendem
Ambiente. Das Promipaar ist gerade ausgestiegen und steht in feinem
Kleid und Kostüm auf dem roten Teppich. Das hohe gesellschaftliche
Ansehen perfekt in Szene gesetzt.
Wir kommen wieder in die große Halle.
Vier Fahrzeuge stehen in Reihe und Glied vor uns. Vier verschiedene
Automobile, vier verschiedene Marken. Ein Wanderer, Ein DKW, ein
Horch und ein Audi. Sie fusionierten 1932 zur Audi Union. Damit
entstanden die vier ineinander geschlungenen Ringe. Deutsche
Automobilgeschichte und ein Gigant in der Branche war geboren.
Wahnsinn, das wusste ich gar nicht.
Ein hoher Stellenwert besaß zudem der
Motorsport. Zu sehen am silbernen Typ C, sieht aus wie ein Formel
1-Auto in den 50er Jahren. Wir kommen gerade recht. Der Mitarbeiter
des Museums lässt den Motor, leider nur über Lautsprecher,
hochfahren. Ohrenbetäubender Lärm. Der gute Mann lacht. Angeblich
wäre das PS-Monster im Rennbetrieb doppelt so laut gewesen.
Unvorstellbar.
Im Simulator kann man das Rennfahrergen
in sich aufleben lassen. Doch daraus wird für uns nichts, außer
Funktion, hmm.
Der zweite Weltkrieg bringt dann den
Cut, den prägenden Einschnitt für das Unternehmen Audi in Zwickau.
Die Audi-Werke wurden stark beschädigt. Dadurch, dass man Motoren
und Fahrzeuge für die Kriegsfront produzierte und Häftlinge für
sich arbeiten ließ, war es ein ideales Ziel für die Bomben der
Aliierten. Damit ging es bergab mit dem Produktionsstandort Zwickau.
Die besten Jahre waren vorbei. Entwicklung, Innovation und Forschung
gab es nicht mehr ausreichend. Die Werke sind in Staatsbesitz
übergangen, der Planwirtschaft erlegen.. Zwangsenteignet eben.
Traktoren und Lastkraftwagen wurden nun produziert. Davon ist die
Eleganz und der Glanz eines Horchs. Die wuchtigen und kompakten LKWs
stellen das krasse Gegenteil dar. Die Konzeption ist ein völlig
andere. Die Falsche. Unterstatement, wenig technisches Knowhow,
schlechte Materialien. All das prägen nun das Erscheinungsbild. Der
Bauernstaat muss von nun an verkörpert werden.
1958 entstanden die VEB Sachsenring und
somit ging der Volkswagen der DDR-Bürger in die Fertigung. A Star is
born, der Trabant.
Ausführlich wird sich mit diesem
extrem schwierigen Neuanfang beschäftigt.
Die Produktion und Fertigung der
„Blechtrommel“ ist visuell und informativ aufgezeigt. Einen von
diesen hat man in der Mitte horizontal getrennt. So, dass man einen
einmaligen Querschnitt über die Karosserie und das Innenleben
entdecken kann. Die geringe Modellpalette, die produziert wurde, ist
im Museum ausgestellt. „Kombi“, Zweisitzer oder ein Trabant mit
Anhänger. Abenteuerlich wie weit man in der Produktion und in den
technischen Standards der Zeit zurück war. Im Untergeschoss wird
der Besucher in die 30er Jahre zurückversetzt. Ein ganzer Straßenzug
ist nachgebaut, sogar Pflastersteine sind verlegt worden. Ganze
Häuserfronten sind dem Baustil der einstigen Zeit nachempfunden. Und
das Unglaublich gut. Die sinnvoll platzierten Horch-Mobile auf der
circa 70m langen Meile verleihen dem ganzen den Originalcharakter, da
i-Tüpfelchen.
Einen typischen Kaufmannsladen gibt es
auch. Drinnen werden sogar kleine Souvenir- und Genussartikel wie
Schokolade in verschiedenster Form und verschiedensten Schatullen und
Gefäßen angeboten. Wirklich putzig. Selbstverständlich schlagen
wir zu.
Die Wiedervereinigung Deutschlands ist der Schlusspunkt eines grandiosen Museumsrundganges.. Gewürdigt wird sie mit einem Trabant in Schwarz-Rot-Gold. Der Golf steht für den Übergang in moderne Zeiten. Volkswagen baute ein neues Werk. Es gibt der Region in schwierigen Zeiten Arbeitsplätze und die sächsische Automobiltradition lebt weiter.
Die Wiedervereinigung Deutschlands ist der Schlusspunkt eines grandiosen Museumsrundganges.. Gewürdigt wird sie mit einem Trabant in Schwarz-Rot-Gold. Der Golf steht für den Übergang in moderne Zeiten. Volkswagen baute ein neues Werk. Es gibt der Region in schwierigen Zeiten Arbeitsplätze und die sächsische Automobiltradition lebt weiter.
Einen besseren Überblick über ein
Jahrhundert sächsischer und deutscher Automobilhistorie gibt es
nicht. Das Horch-Museum bietet nicht nur nackte Fakten und Zahlen,
der Besucher kann die History förmlich anfassen und riechen. Es ist
der Hammer, wie viele Exponate dazu beitragen. Insgesamt sind es über
70 (!). Einmalig.
Die Stadt erholt sich immer mehr von den nicht einfachen DDR-Zeiten. Die Stadt strahlt äußerlich wieder. Schandflecke und Industriebrachen werden immer weniger. Die Plattenbauten werden auf Vordermann gebracht, die Altbauten werden saniert. Eine moderne Stadt wir attraktiv. Infrastrukturell war sie es schon immer. Die Straßenbahn bringt die Menschen in die City. Sie rumpelt über die Schienen, elektrisch über die Oberleitungen angetrieben. Mal ein positives und sinnvolles Überbleibsel aus DDR-Zeiten.
Die flächenmäßige Ausdehnung des
Stadtgebietes schreitet mehr und mehr voran. Mittlerweile ist das Tal
der Zwickauer Mulde zum Großteil besiedelt. Ein Indiz für
Attraktivität einer Region. Auch wenn diese Vororte jährlich der
großen Gefahr von Hochwasser sich erwehren müssen.
Unser Rundgang durch die Innenstadt
beginnt am Dom. Diesem imposanten evangelischen Kirchenbau. Im 12.
Jahrhundert als romanische Saalkirche erbaut, im 16. und 17.
Jahrhundert zur dreischiffigen Kirche im spätgotischen Stil umgebaut
und zu guter Letzt ein barocker Glockenturm aus dem Jahr um 1672.
Schnell ist die Architekturgeschichte des Zwickauer Doms erzählt. Er
prägt das Stadtbild, das Zentrum der Stadt.
Gegenüber liegen die sogenannten
Priesterhäuser. Vermutlich sind das die ältesten Wohngebäude der
Stadt. Einmalig im sächsischen Raum. Vier an der Zahl sind es, die
steilen gotischen Satteldächer sind ihr Wiedererkennungsmerkmal.
Heute ist dort das Museum für Stadt- und Kirchengeschichte
beheimatet.
Wir gehen hinein. Das zweite Museum am
heutigen Tag. Mammutprogramm.
In der Stadtgeschichte unterwegs - Priesterhäuser
Der Eintritt ist gratis. Eine Sonderaktion. Wir sind ganz verblüfft als die kleine, etwas untersetzte Museumsmitarbeiterin mit breitem Grinsen im Gesicht und sächsischen Dialekt uns dieses Angebot unterbreitet. Das lehnen wir nicht ab. Wir nehmen extra den großen ausgeschilderten Rundgang. Ehrlich gesagt rechneten wir damit, dass wir nach kurzer Zeit fertig sind. Pustekuchen. 500 Quadratmeter erwarten uns., wofür wir über 90 Minuten benötigen werden. Alle vier Priesterhäuser sind miteinander verbunden. Jeder Raum, vom Keller bis zum Dachboden, wird als Museumsteil genutzt. Dementsprechend umfangreich ist die Ausstellung.
Die Priesterhäuser sind keine reinen Wohnhäuser für die allgemeinen Bürger. Sie waren ausschließlich für die Mitarbeiter der Schul- und Kirchenangestellten gedacht. Für die niedere Geistlichkeit sozusagen. Demzufolge schlicht und einfach war die Innenausstattung und Einrichtung. Trotzdem waren die Bewohner aufgrund ihrer Anstellung gebildet. Sie trugen zum kulturellen Leben Zwickaus bei. Im 13. Jahrhundert geht ihre Entstehung zurück und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Die letzte im 19. jahrhundert. An den, für die mittelalterliche Bauweise charakteristische Außentreppe, wurden die Laubengänge angebaut. Die bauliche Entwicklung kann man sehr anschaulich und bequem am Modell nachempfinden.
Die Marienkirche spielte natürlich für
die Priesterhäuser die wichtigste Rolle, im Schatten des dominanten
Mariendoms. Das Ensemble mit Gotteshaus, Kirchhof und jenen
Priesterhäuser war das Zentrum der sozialen Gesellschaft im
Mittelalter. Das Leben spielte sich auf diesem Areal ab.
Wir beginnen im Keller. Archäologische Funde aus den dem Zwickauer Stadtgebiet werden in den untersten Räumen gezeigt. Krüge, Tongefäße, Teller oder Schwerte und Werkzeuge sind in den Vitrinen kunstvoll beleuchtet. Der nächste Raum ist die Schreibstube, eine Etage darüber. . Originalgetreu eingerichtet mit dem Sekrektär bzw. Schreibtisch. Bildung und Erziehung war in jenen Zeiten im Mittelalter ein Privileg.
Im ersten Stock erwartet uns zunächst der Ratsherrenraum. Eine Art Konferenzzimmer im Mittelalter. Der Holztisch steht in der Mitte auf dem dunklen Korkboden, um ihn herum sind die typischen Stühle, an der Wand steht der wuchtige Holzschrank. Drückt man einen Knopf, kann man sich eine lautstarke Diskussion eines solchen Ratsherren, dem Bürgermeister, und einem Handwerksmeister der Stadt anhören. Thema ist die Reformationsbewegung und deren Glaubensfragen. Zwickau war in diesem Punkt sehr fortschrittlich. Die christliche Gegenbewegung Luthers zum Katholizismus setzte sich als zweite Stadt Europas sehr rasch durch. Thomas Müntzer hat da mit seinen Predigen in der Zeit vor und nach dem Jahreswechsel 1521 entscheidenden Anteil. Martin Luther folgte ihm im April 1522 auf eine Kurzreise in die Stadt. Nur um Haaresbreite entkam er einem Mordanschlag. Zwickau entwickelte sich ab da an zum Zentrum wichtiger reformatischer Schriften und Veröffentlichungen.
Nebenan befindet sich die historische Küche. Eine Art Rußküche, direkt am Schornsteig, damit der Rauch nach außen abziehen kann. Sie ist dunkel und ohne Tageslicht. Trotzdem sind die Wnde schwarz. Das bleibt nicht aus. Auch wenigen Quadratmetern kochten die Frauen die Mahlzeiten für ihre Familien. Viel Platz hatten sie nicht. Die Töpfe, Krüge, Pfannen, Körbe und Geschirre verengen die Kapazität noch einmal. Teilweise wurden Speisevorräte und Gewürze noch darin gelagert. Da benötigt es nicht sehr viel Vorstellungskraft, wie verrußt die Personen aussahen, die sich in diesem vier Wänden aufhielten.
In jedem sind Infotafeln an den Wänden zu den jeweiligen Thematik angebracht. Die wichtigsten Daten und Fakten sind auf ihnen kurz und prägnant nachzulesen.
Der Rundgang führt uns in ein
angrenzendes externes Gebäude. Durch einen Glasdurchgang gelangen
wir dorthin. Eine offene, lichtdurchflutete und moderne Räumlichkeit.
Die unterschiedlichsten Zünfte und Gewerke finden hier ihre
Beachtung. Sie wurden an der städtischen Politik beteiligt. Das
musste man. Die Förderung des Wirtschaftslebens und der sozialen
Stabilität waren zu wichtig für die Menschen. Besonders der
Tuchmacherrei, dem Handel und dem Silberbergbau ist der
wirtschaftliche Aufschwung ab dem 15. Jahrhundert zu verdanken.
Zwickau wuchs und wuchs. Das wird stolz gezeigt. Das schwere Leben
eines Bergmannes wird eindrucksvoll mit einem Miniaturnachbau des
Bergbaustollens, der getragenen Arbeitskleidung, den Grubenlampen und
dem Aufzeigen verschiedener Arbeitsprozesse dem Besucher näher
gebracht. Der Silberbergbau nimmt in der Stadtentwicklung eine
besonders wichtige Rolle ein. Das spiegelt sich schwerpunktmäßig
auch in der Museumsausstellung wieder. Das traditionsreiche
Zwickauer Porzellan, das Steinmetzhandwerk, das Schützenwesen kommen
ebenso zur Geltung, wenn auch in verminderten Maße. Ein komplette
Zinngießerwerkstatt wurde in die Räume der Priesterhäuser
versetzt. Sie trugen zu einer unverzichtbaren Vielfalt bei.
Es geht wieder zurück in die
eigentlichen Priesterhäuser. Unters Dach, genauer gesagt. Das
Zimmerhandwerk, die nächste traditionelle Zunft, wird in diesen
Räumen vorgestellt. Der richtige Platz. Die Streben und Holzbalken
verkörpern die Kunst im Handwerk mit dem natürlichen Rohstoff und
deren notwendige Funktionalität sowie Langlebigkeit.
Unzählige Exponate visualisieren und
unterstreichen die harten Fakten einer Stadtgeschichte. Immerhin 600
Stück in jeglicher Form hat man zusammengetragen. Manche stammen aus
dem 15. Jahrhundert. Darunter ein Kettenhemd und verschiedenen Waffen
und Schilde. Dank einer dichten Chronikaufzeichnung sind diese
Unmengen an Fakten und Gesamtgeschichte. Genügend Ratsherren,
Handwerker und Pfarrer gab es als Chronisten.
Von der früheren Geschichte ist nur
wenig haften geblieben. Bis ins 6. Jahrhundert wurde das
westsächsische Gebiete von Thüringern besiedelt. Danach von Sorben.
Im 10. Jahrhundert begann die Besiedlung deutscher Einwanderer und
somit auch die Christianisierung. Die ersten Siedlungszentren
entstanden im 12. Jahrhundert, eines war das Gebiet um die heutige
Marienkirche. Für die Menschen und das Leben war die Lage perfekt,
die „Hohe Handelsstraße“ und der „Böhmische Steig“ brachten
die Wirtschaft in Gang.
Im 15. Jahrhundert blühte das Leben im
Kurfürstentum unter Friedrich der Weise. Lag auch daran, dass die
Zwickauer Patrizier die Entdeckung des Schneeberger Silbervorkommens
förmlich ausbeuteten. Die Reformation brachte einiges im Stadtleben
durcheinander. Luther und Müntzer predigten leidenschaftlich.
Zwickau war somit Vorreiter in der Durchsetzung der neuen
christlichen Glaubensrichtung. Bis 1807 bleibt Zwickau der Status der
kurfürstlichen Stadt erhalten, trotz des Sächsischen Bruderkrieges.
Anschließend gehöre es zum Königreich Sachsen.
Zwickau wurde von der
nationalsozialistischen Welle, wie das gesamte Deutschland, stark
erfasst. Sehr schnell sogar. Angeblich wurde in der Stadt die erste
Ortsgruppe der NSDAP außerhalb Bayerns gegründet. Die Industrie, in
vorderster Front die Auto Union AG, produzierte schweres Gerät für
den Krieg. Sie waren die ersten Ziele der Alliierten bei
Luftangriffen auf Zwickau. Das zentrumsnahe Stadtgebiet ist
glücklicherweise zum Großteil vom Kugel- und Bombenhagel verschont.
Die DDR-Zeit kam dafür im Anschluss. Vorbei mit der Individualität.
Planwirtschaft war angesagt. Überwachung durch die Staatssicherheit.
Leben in den sozialen Plattenbauten. Einheitsbrei eben. Heute hat an
sich davon erholt. Gott sei Dank. Deutschland geteilt darf es nie
mehr geben. Wir können uns extrem glücklich schätzen.
Wir brauchen eine Stärkung, der Kopf
und das Hirn sind müde und kaputt. Viele Informationen in einem
verhältnismäßig kurzen Zeitraum. Erst das August-Horch-Museum,
jetzt die Priesterhäuser. Nebenan gibt es noch ein zünftiges
Restaurant mit Biergarten. Genau das Richtige für uns. Dieser Mix
aus Antik und Modernen ist in der Einrichtung und im gesamten Stil
wirklich sehr gelungen. Im vorderen Bereich, im alten Wohngebäude
der Priester ist es sehr urig und zünftig eingerichtet. Wir gehen
hindurch in den hinteren Bereich des Gasthauses, durch den
Biergarten. Sehr viel Glas, klare Linien, sehr großzügig gestaltet.
Zudem wird das Bier selbst gebraut. Sofort fühlen wir uns wohl. Wir
speisen. Cordon Bleu, gefüllt mit kräftigem Bergkäse, mit Pommes
Frites und Schweinefilet in Altbiersoße und Speck mit
Bratkartoffeln. Wirklich köstlich.
Gut gesättigt setzen wir unseren Stadtrundgang fort. Ziemlich schnell erreichen wir den Hauptmarkt. Er ist das Zentrum des Zentrums. Blickfang ist das Gewandhaus. Im Mittelalter war es ein Messe- und Lagerhaus der Tuchmacherzunft. Die Bezeichnung leitet sich von der Handelsware dieser Kaufleute ab. Seine Erbauung im spätgotischen Stil geht auf das Jahr 1525 zurück.. Seit 1823 ist es ein städtisches Theater. 400 Plätze bietet es. Die Außenfassade hat ihre Glanzzeit schon hinter sich. Der Putz bröckelt an allen Ecken und Enden.
Direkt daneben steht das Rathaus der
Stadt. 1404 wurde es erbaut, nachdem das Alte beim Stadtbrand zuvor
von den Feuerflammen zerstört worden war. Charakteristisch ist das
große Stadtwappen in der Mitte des Bauwerks, der Zinnenkranz und die
beiden Ecktürme. Ein repräsentativer Bau in weißen Farben..
Gegenüber fallen die ehemaligen
Apotheken Kräutergewölbe und Löwen-Apotheke ins Auge. Ihr Merkmal
sind die auffallenden Dachgauben. Die Gebäude aus dem 15.
Jahrhundert gehören zu den Ältesten ihrer Art in Deutschland. In
direkter Nachbarschaft laden Cafes auf einen Kaffee ein. An der Ecke
des Hauptmarktes, auf der Seite des Rathauses, befindet sich das
Robert-Schumann-Haus. Durch seine ockergelbe Farbe sticht es erst gar
nicht richtig ins Auge. Der Schriftzug an der Fassade hilft uns.. Ein
Museum für den bekanntesten Sohn der Stadt, dem Komponisten und
Museum Robert Schumann. Es ist sein Geburtshaus. Bereits zum 100.
Geburtstag im Jahr 1910 wurde es eröffnet. Die Die Familie hatte es
1808 nach dem Umzug vom thüringischen Ronneburg nach Zwickau
angemietet. Man bereits einen renomierten Name als Schriftsteller und
Bchhändler. So wurde in diesen Räumen das florierende Verlagshaus
Gebrüder Schumann gergründet. Sieben Jahre verbrachten sie in
diesen Wänden. Die Sammlung und die Ausstellungsexponate
vervielfältigten sich zusehends in den nächsten Jahrzehnten und
beschäftigt sich heute intensiv mit diesem Lebenswerk . Sie zeigen
das Leben des Robert Schumann, seiner Familie, der Ehe mit Clara
Schumann und seinem Schaffen und Wirken. Ein Komponist der ganz
großen Garde.
Wir sind zu spät dran, das Museum hat
schon zu. Es wäre auch des guten zu viel gewesen.
Das Dünnebierhaus ist unsere letzte
Sehenswürdigkeit auf unserem Stadtrundgang. Es ist nach dem
Warenhändler Dünnbier benannt, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts
eine Kaffeerösterei betrieb Das Haus ist aber älter. Es wurde um
1480 bereits erbaut. Die Staffelgiebeln, diese besondere Dachform des
Spätmittelalters, verleiht dem Bauwerk seine besondere
Charakteristik, Heute ist es das Standesamt der Stadt Zwickau.
Einkaufen kann man in der City ganz passabel. Die allseits bekannten Modeketten und Franchise-Läden aller Art sind in den Schaufenstern angesiedelt. Die Auswahl ist ordentlich, für jeden ist etwas dabei. Dank der Passagen und, Center und Galerien sind sie auf kleiner Fläche zu finden. Eine moderne Stadt eben, die von modernen Menschen bewohnt und belebt wird. Die Westsächsische Fachhochschule zieht bildungstechnisch die jungen Leute an, die Schwung und Frische in ein Stadtleben bringen. Die Menschen strahlen eine angenehme Freundlichkeit und Offenheit aus. In kleinen Small talks wird unser Gefühl bestätigt. So offen präsentiert sich generell die Stadt. Zwickau hat den Wandel geschafft, die Wende geschafft. Von DDR in die BRD. Vom Tristen ins Farbige. Äußerlich und mit den Augen in jedem Fall.
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